Das Wichtigste in Kürze

  • Wer auf einem Ohr schlechter hört, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, von Ohrenschmalz oder einer Erkältung bis hin zu Erkrankungen des Mittel- oder Innenohrs.
  • Tritt die Hörminderung plötzlich innerhalb von Minuten oder Stunden auf, sollte sie zeitnah ärztlich beziehungsweise HNO ärztlich abgeklärt werden.
  • Auch eine schleichende einseitige Hörminderung sollte untersucht werden, insbesondere wenn zwischen beiden Ohren ein deutlicher Unterschied besteht.
  • Bleibt nach der medizinischen Abklärung eine dauerhafte Schwerhörigkeit bestehen, können je nach Resthörvermögen und persönlichem Hörbedarf unterschiedliche Hörlösungen infrage kommen.

Warum kann man plötzlich oder schleichend auf einem Ohr schlechter hören?

Schlecht hören auf einem Ohr Ursachen

Unser Hörsystem besteht aus mehreren Bereichen, die genau aufeinander abgestimmt sind. Schall gelangt zunächst durch den äußeren Gehörgang zum Trommelfell. Anschließend übertragen die Gehörknöchelchen im Mittelohr die Schwingungen auf das Innenohr. Dort wandelt die Hörschnecke die mechanischen Reize in elektrische Signale um, die über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet werden.

Kommt es an einer Stelle dieses komplexen Systems zu einer Störung, kann die Hörleistung auf einem Ohr nachlassen. Das kann plötzlich auftreten oder sich schleichend entwickeln.

Medizinisch wird unter anderem zwischen einer Schallleitungsschwerhörigkeit und einer Schallempfindungsschwerhörigkeit unterschieden. Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit wird der Schall nicht ausreichend bis zum Innenohr weitergeleitet. Die Ursache kann beispielsweise im Gehörgang, am Trommelfell oder im Mittelohr liegen. Mögliche Auslöser sind ein durch Ohrenschmalz verschlossener Gehörgang oder eine Mittelohrentzündung.

Bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit befindet sich die Störung dagegen im Innenohr, am Hörnerv oder bei der weiteren Verarbeitung der Hörsignale.

Für Sie als Betroffenen kann sich beides zunächst ähnlich anfühlen. Das betroffene Ohr hört leiser oder Sprache und andere Geräusche erscheinen undeutlicher. Die Ursachen können jedoch sehr unterschiedlich sein und entsprechend unterscheiden sich auch die möglichen Behandlungen.

Schlecht hören auf einem Ohr: Die häufigsten Ursachen

Wenn Sie auf einem Ohr plötzlich oder zunehmend schlechter hören, kann das viele verschiedene Ursachen haben. Häufig wird zunächst an einen Hörsturz gedacht. Tatsächlich kommen jedoch auch vergleichsweise harmlose und gut behandelbare Auslöser infrage. Andere Ursachen können zu einer länger anhaltenden oder dauerhaften Hörminderung führen.

Ohrenschmalzpfropf: eine häufige und vergleichsweise harmlose Ursache

Ohrenschmalz, medizinisch Cerumen genannt, schützt den Gehörgang und unterstützt dessen natürliche Reinigung. Sammelt sich jedoch zu viel davon an, kann ein fester Pfropf entstehen, der den Gehörgang teilweise oder vollständig verschließt. Der Schall erreicht das Trommelfell dann schlechter. Das Ohr wirkt leiser, häufig entsteht zusätzlich ein Druckgefühl oder das Gefühl eines verstopften Ohrs.

Das Reinigen mit Wattestäbchen kann die Entstehung eines solchen Pfropfs begünstigen, ebenso das Tragen eines Hörgeräts. Versuchen Sie nicht, festsitzendes Ohrenschmalz selbst mit Gegenständen zu entfernen. Dabei kann es tiefer in den Gehörgang geschoben werden und Verletzungen verursachen. Wird ein Cerumenpfropf fachgerecht entfernt, kann sich das Hörvermögen häufig unmittelbar verbessern.

Erkältung und Probleme mit dem Druckausgleich

Während oder nach einer Erkältung kann sich ein Ohr anfühlen, als befände sich Wasser oder Watte darin. Verantwortlich dafür kann die Eustachische Röhre, auch Ohrtrompete genannt, sein. Sie verbindet das Mittelohr mit dem Nasen Rachen Raum und trägt zum Druckausgleich am Trommelfell bei.

Sind die Schleimhäute infolge eines Infekts geschwollen, kann die Belüftung des Mittelohrs beeinträchtigt werden. Geräusche werden dadurch gedämpfter wahrgenommen. Ähnliche Beschwerden können nach Flugreisen oder anderen starken Druckveränderungen auftreten. Hält die Hörminderung länger an, kommen Schmerzen hinzu oder verschlechtert sich das Gehör deutlich, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll.

Paukenerguss und Flüssigkeit im Mittelohr

Bei einem Paukenerguss sammelt sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell. Dadurch können Schallwellen im Mittelohr nicht mehr so effektiv übertragen werden. Das Ohr fühlt sich häufig dumpf oder verschlossen an. Auch die eigene Stimme kann ungewohnt klingen, beim Schlucken oder Gähnen sind manchmal knackende Geräusche zu hören.

Ein Paukenerguss tritt besonders häufig bei Kindern auf, kann aber auch Erwachsene betreffen. Oft hängt er mit einer beeinträchtigten Belüftung des Mittelohrs oder einer Entzündung zusammen. Bleibt die Flüssigkeit bestehen und damit auch das eingeschränkte Hören, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Mittelohrentzündung

Auch eine akute oder chronische Mittelohrentzündung kann das Hörvermögen auf einem Ohr beeinträchtigen. Bei einer akuten Entzündung treten häufig Ohrenschmerzen auf. Hinzukommen können Fieber, ein Druckgefühl und eine vorübergehende Hörminderung.

Flüssigkeit und entzündlich verändertes Gewebe sorgen dafür, dass Trommelfell und Gehörknöchelchen den Schall nicht mehr normal weiterleiten können. Bei starken oder länger anhaltenden Beschwerden, Fieber, Schmerzen oder Flüssigkeitsaustritt aus dem Ohr sollte die Ursache medizinisch beurteilt werden.

Verletzungen des Trommelfells

Das Trommelfell ist sehr empfindlich. Starke Druckunterschiede, direkte mechanische Einwirkungen oder sehr laute Schallereignisse können es verletzen. Mögliche Anzeichen sind Schmerzen, eine Hörminderung, Ohrgeräusche sowie Flüssigkeits- oder Blutaustritt.

Auch Wattestäbchen oder andere Gegenstände im Gehörgang können Verletzungen verursachen. Nach einer möglichen Trommelfellverletzung sollten Sie das Ohr deshalb nicht selbst behandeln. Eine HNO ärztliche Untersuchung kann klären, ob das Trommelfell betroffen ist und welche Behandlung erforderlich ist.

Hörsturz: plötzlich schlecht hören auf einem Ohr

Ein Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Schallempfindungsschwerhörigkeit, für die zunächst keine andere eindeutige Ursache gefunden wird. Meist ist nur ein Ohr betroffen. Die Hörminderung kann unterschiedlich stark sein und in seltenen Fällen bis zu einem nahezu vollständigen Hörverlust reichen.

Begleitend können ein Druck- oder Wattegefühl, Tinnitus oder Schwindel auftreten. Ein Hörsturz kann jedoch auch ohne weitere Beschwerden entstehen. Wichtig ist deshalb: Nicht jedes plötzlich verstopft wirkende Ohr ist automatisch ein Hörsturz. Auch Ohrenschmalz, Belüftungsstörungen oder Erkrankungen des Mittelohrs können ähnliche Beschwerden verursachen.

Wenn Sie innerhalb von Minuten oder Stunden ohne erkennbare Ursache plötzlich deutlich schlechter auf einem Ohr hören, sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen.

Lärm und Knalltrauma

Nicht nur eine langjährige Lärmbelastung kann das Gehör schädigen. Auch ein einzelnes, extrem lautes Ereignis kann zu einer Hörminderung führen. Bei einem Knalltrauma, beispielsweise durch einen sehr lauten Knall, eine Explosion oder einen Schuss in unmittelbarer Nähe, kann je nach Richtung der Schalleinwirkung ein Ohr stärker betroffen sein.

Nach einem akustischen Trauma können Geräusche leiser oder verzerrt wahrgenommen werden. Auch Tinnitus kann auftreten. Manche Hörveränderungen bilden sich wieder zurück, andere können dauerhaft bestehen bleiben. Konsequenter Gehörschutz ist deshalb sowohl bei beruflichem Lärm als auch bei lauten Freizeitaktivitäten wichtig.

Morbus Menière

Tritt eine einseitige Hörminderung wiederholt zusammen mit starkem Drehschwindel und Tinnitus auf, kann eine Innenohrerkrankung wie Morbus Menière infrage kommen. Typisch sind wiederkehrende Anfälle, bei denen das Hörvermögen schwanken kann.

Da Hörverlust, Schwindel und Tinnitus auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, lässt sich Morbus Menière nicht allein anhand dieser Beschwerden feststellen. Für eine sichere Einordnung ist eine fachärztliche Diagnostik erforderlich.

Otosklerose

Bei einer Otosklerose verändern beziehungsweise verknöchern bestimmte Bereiche des Mittel- und Innenohrs. Häufig wird dadurch der Steigbügel, eines der drei Gehörknöchelchen, zunehmend unbeweglich. Der Schall kann dadurch immer schlechter zum Innenohr übertragen werden und das Hörvermögen nimmt meist langsam ab.

Die Erkrankung kann ein oder beide Ohren betreffen. Welche Behandlung infrage kommt, hängt vom jeweiligen Befund ab. Möglich sind beispielsweise operative Verfahren oder eine Versorgung mit Hörgeräten. Liegt eine dauerhafte Hörminderung vor, können wir bei Hörhäusle Kohl nach der medizinischen Abklärung gemeinsam mit Ihnen prüfen, welche Hörsysteme zu Ihrem persönlichen Hörbedarf passen.

Altersbedingte Schwerhörigkeit kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein

Altersschwerhörigkeit betrifft typischerweise beide Ohren. Dennoch muss die Hörminderung nicht auf beiden Seiten gleich stark ausgeprägt sein. Häufig fällt zunächst auf, dass hohe Töne und Konsonanten schlechter wahrgenommen werden. Besonders Gespräche in Restaurants, bei Familienfeiern oder in größeren Gruppen können dadurch zunehmend anstrengend werden.

Ist ein Ohr jedoch wesentlich stärker betroffen als das andere, sollte dieser deutliche Unterschied medizinisch abgeklärt werden. Nicht jede ausgeprägte Seitendifferenz lässt sich allein mit dem natürlichen Alterungsprozess erklären.

Medikamente und andere seltenere Ursachen

Bestimmte Medikamente können das Innenohr oder andere Bereiche des Hörsystems beeinträchtigen. Dazu gehören unter anderem einzelne Antibiotika und bestimmte Chemotherapeutika. Solche Wirkstoffe werden auch als ototoxisch bezeichnet, also als möglicherweise schädigend für das Gehör.

Medikamente sollten Sie bei Hörproblemen keinesfalls eigenständig absetzen. Bemerken Sie während einer Behandlung eine neue Hörminderung oder einen neu auftretenden Tinnitus, sollten Sie dies mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Auch Schädelverletzungen und verschiedene Infektionen können zu einer erworbenen Schwerhörigkeit führen.

Vestibularisschwannom: eine seltene, aber wichtige Ursache

Bei einer langsam zunehmenden einseitigen Schwerhörigkeit können in seltenen Fällen Veränderungen am Hör- und Gleichgewichtsnerv eine Rolle spielen. Dazu gehört das Vestibularisschwannom, auch Akustikusneurinom genannt. Dabei handelt es sich um einen gutartigen Tumor im Bereich des achten Hirnnervs.

Mögliche Anzeichen sind eine fortschreitende einseitige Hörminderung, einseitiger Tinnitus sowie Gleichgewichtsstörungen oder Schwindel. Ein Vestibularisschwannom ist keine typische Ursache für einseitig schlechteres Hören. Es zeigt jedoch, warum eine deutlich unterschiedliche oder fortschreitende Hörminderung auf nur einer Seite ärztlich abgeklärt werden sollte.

Wann sollte man bei einseitigem Hörverlust zum Arzt?

Überproduktion von Ohrenschmalz

Entscheidend ist vor allem, wie schnell sich Ihr Hörvermögen verändert hat. Wenn Sie innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden auf einem Ohr plötzlich deutlich schlechter hören, sollten Sie dies zeitnah ärztlich beziehungsweise HNO ärztlich untersuchen lassen. Das gilt auch, wenn sich das Ohr lediglich verstopft anfühlt oder Sie das Gefühl haben, Watte im Ohr zu haben. Auch ein Hörsturz kann sich auf diese Weise bemerkbar machen.

Eine medizinische Abklärung ist ebenfalls wichtig, wenn weitere Beschwerden hinzukommen. Dazu zählen starke Ohrenschmerzen, Verletzungen, Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr, ausgeprägter Schwindel, ein neu auftretender einseitiger Tinnitus oder eine zunehmend stärker werdende Hörminderung auf einem Ohr.

Treten gleichzeitig plötzlich neurologische Beschwerden wie Lähmungen, eine Gesichtsschwäche, Sprachstörungen, Doppelbilder oder starke Koordinationsprobleme auf, sollte unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Entwickelt sich die Hörminderung dagegen langsam und bestehen keine akuten Begleitsymptome, ist die Situation in der Regel weniger dringlich. Dennoch sollten Sie auch eine schleichende Verschlechterung abklären lassen, insbesondere wenn nur ein Ohr betroffen ist oder Sie einen deutlichen Unterschied zwischen beiden Ohren bemerken.

Wann kann ein Hörgerät bei einseitiger Schwerhörigkeit helfen?

Leichte Schwerhörigkeit

Ist die medizinische Ursache abgeklärt und bleibt auf einem Ohr eine dauerhafte Hörminderung bestehen, können moderne Hörsysteme dazu beitragen, den Höralltag zu verbessern. Ob ein klassisches Hörgerät sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie viel nutzbares Hörvermögen auf dem schlechter hörenden Ohr noch vorhanden ist.

Lässt sich dieses Ohr mit einem Hörsystem versorgen, wird die Verstärkung individuell auf Ihr Hörvermögen abgestimmt. Dabei werden nicht einfach alle Geräusche lauter gemacht. Eine sorgfältige Hörgeräteanpassung berücksichtigt unter anderem Ihre persönliche Hörkurve, verschiedene Frequenzbereiche und Ihr Sprachverstehen.

Bei einer sehr starken einseitigen Schwerhörigkeit oder einseitigen Taubheit können andere Versorgungskonzepte infrage kommen. Welche Lösung geeignet ist, richtet sich nach der medizinischen Diagnose, der vorhandenen Resthörfähigkeit und Ihren persönlichen Anforderungen im Alltag.

Eine sorgfältige Höranalyse bildet deshalb die Grundlage für eine passende Versorgung. Bei Hörhäusle Kohl nehmen wir uns Zeit, Ihre individuelle Hörsituation zu betrachten und gemeinsam mit Ihnen zu prüfen, welche Hörlösung zu Ihrem persönlichen Hörbedarf passt.

FAQ

Wenn Sie auf einem Ohr plötzlich dumpf hören, können unterschiedliche Ursachen dahinterstecken. Möglich sind beispielsweise angesammeltes Ohrenschmalz, eine Belüftungsstörung nach einer Erkältung, Flüssigkeit im Mittelohr oder eine Entzündung. Auch ein Hörsturz kann sich zunächst lediglich so anfühlen, als sei das Ohr blockiert oder mit Watte verschlossen. Tritt die Hörminderung plötzlich auf und bleibt bestehen, sollten Sie die Ursache deshalb zeitnah ärztlich abklären lassen.

Ja. Ein fester Ohrenschmalzpfropf, auch Cerumenpfropf genannt, kann den Gehörgang vollständig verschließen und das Hörvermögen auf dem betroffenen Ohr deutlich reduzieren. Häufig kommen ein Druckgefühl oder das Gefühl eines verstopften Ohrs hinzu. Wird der Pfropf fachgerecht entfernt, kann sich das Hörvermögen wieder normalisieren, sofern keine weitere Hörstörung vorliegt.

Viele Menschen können eine einseitige Hörminderung im Alltag gut ausgleichen. Schwierigkeiten können jedoch insbesondere beim räumlichen Hören und beim Sprachverstehen in lauter Umgebung auftreten. So kann es beispielsweise schwerer fallen, die Richtung eines Geräuschs zu bestimmen oder einem Gespräch bei vielen Hintergrundgeräuschen zu folgen. Je stärker die Hörminderung ausgeprägt ist, desto wichtiger kann eine geeignete Hörversorgung für den Alltag werden.

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind die Hörleistung beider Ohren, das Sprachverstehen, die Ursache der Schwerhörigkeit und Ihre persönlichen Anforderungen an das Hören. Ist nur ein Ohr versorgungsbedürftig und verfügt dieses über ausreichend Resthörvermögen, kann eine einseitige Versorgung infrage kommen. Bei anderen Ausgangssituationen können andere technische Lösungen sinnvoll sein. Nach der medizinischen Abklärung können wir bei Hörhäusle Kohl mit umfassenden Hörmessungen Ihre individuelle Hörsituation genauer betrachten und Sie dazu beraten, welche Versorgung für Ihren persönlichen Hörbedarf geeignet ist.

Daniel Kohl - Natural Fitting in Welzheim

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Daniel Kohl

Hörhäusle Kohl

Hörakustikmeister & Geschäftsführer